Informationen zur Palliativen Pflege

 

02.11.09 | Debatte um den Ausbau Palliativer Pflege

Nachdem die EKD-Vorsitzende Margot Käßmann in der vergangenen Woche für ein „selbstbestimmtes Sterben“ eines jeden plädiert hat (vgl. Aktuelles vom 26.10.09), berichtet das Ärzteblatt heute online, dass die Deutsche Hospiz Stiftung diese jüngsten Äußerungen der Bischöfin als „zweideutig“, „missverständlich“ und „politisch unklug“ kritisiert hat.

Zwar habe sich Käßmann ausdrücklich gegen aktive Sterbehilfe ausgesprochen, trete jedoch „für einen selbstbestimmten Tod“ ein. Eugen Brysch von der Deutschen Hospiz Stiftung befürchte nun, Käßmann könne den Befürwortern aktiver Sterbehilfe „in die Hände spielen“.

In Bezug auf die Realität Palliativer Pflege hat Brysch laut Ärtzeblatt betont, dass „professionelle Schmerztherapie eben nicht zum Massenphänomen des frühen Todes“ führe. Tatsächlich ein Massenphänomen sei allerdings, dass „400.000 Sterbende keine Palliativpflege erhalten“.

Die Debatte um den Ausbau der Palliativversorgung in Deutschland beschäftigt weitere Vertreter der Kirche wie auch der Medizin: So haben der Erzbischof von Utrecht, Willem Jacobus Eijk, und der Präsident der Europäischen Gesellschaft für Palliativmedizin, Lukas Radbruch, bei einer Fachdiskussion die „Förderung einer sterbebegleitenden, schmerzlindernden Medizin“ angemahnt (Meldung im Ärtzeblatt vom 30.10.09).

Die Erlaubnis der aktiven Sterbehilfe in Deutschland könne zu einem „Dammbruch führen, der medizinisches Töten als gängige Alternative in der letzten Lebensphase erscheinen ließe. Um dies zu verhindern, müsse die Palliativmedizin ausgebaut werden.“ Bei einer Diskussion im Rahmen der Veranstaltung „Lebenserhaltung und Patientenautonomie“ der Caritas-Akademie und des Caritasverbandes der Erzdiözese Köln habe sich Radbruch auch für eine bessere Ausbildung der Mediziner „im Hinblick auf schwerstkranke, unheilbare Patienten“ ausgesprochen. Radbruch ist Direktor der Aachener Klinik für Palliativmedizin.

Gleichzeitig habe Radbruch auch deutlich die „Möglichkeiten und Grenzen“ seiner Fachdisziplin aufgezeigt: „Palliativmediziner machten immer wieder die Erfahrung, dass der Wunsch nach vorzeitiger Lebensbeendigung in dem Maße in den Hintergrund tritt, in dem auch die letzte Lebenszeit durch eine gute palliativmedizinische Behandlung erträglich gestaltet wird“.

Quellenangaben:

Bericht des Ärtzeblattes zur Kritik an Käßmann

Bericht zur Veranstaltung der Caritas-Akademie