Informationen zur Palliativen Pflege

 

22.03.10 | „Das Sterben hat längst seine Natürlichkeit verloren“

In einem Interview mit dem Magazin Der Spiegel, plädiert der Notfallmediziner Michael de Ridder für eine neue Sterbekultur. De Ridder bedauere, dass der natürliche Tod seinen Platz in der Gesellschaft verloren habe und den individuellen Lebensentwürfen und Wünschen der schwerstkranken Personen zu wenig Beachtung geschenkt würde. Insbesondere auf den Rettungsstellen beobachte er immer häufiger, dass selbst Patienten, denen ein „unbestimmter Leidensweg“ bevorstehe, gegen ihren Willen künstlich am Leben gehalten würden.

Die moderne Hochleistungstechnologie stelle den Mediziner heute vor „ethische Entscheidungszwänge“. Aus Sorge um seine rechtliche Absicherung falle die Entscheidung zunehmend zu Gunsten des „uferlosen Einsatzes der medizinischen Technik“ aus. Der Heilungsauftrag sei zwar oberstes Ziel der Mediziner, ein „gutes Sterben“ sei ethisch jedoch gleichrangig. „Eigentlich haben wir mit der Palliativmedizin heute alle Möglichkeiten, das Sterben so zu gestalten, wie Menschen es sich wünschen, nämlich friedlich“, so de Ridder.

Quelle: Spiegel online: "Was ist so schlimm am Sterben?", 22.03.2010.